Kolumne

 

Herr Grecos, was denken Sie über...

Risiko?

Illustration Jörg Block

V

iele Menschen denken, dass ein Stuntman ein Draufgänger ist. Dass ich mich furchtlos von Klippen stürze oder aus brennenden Autos springe. Es stimmt schon, dass in meinem Beruf oft das Adrenalin am Anschlag ist. Aber Draufgänger? Eigentlich bin ich das Gegenteil. Meine Stunts muss ich bis ins Detail planen und immer wieder durchspielen, bis alles perfekt abgestimmt ist. Würde ich nicht die Risiken genau prüfen, ich würde wohl jeden Tag meine Gesundheit aufs Spiel setzen.

Die Anforderungen an mich sind sehr hoch: Einerseits bin ich ein Stuntman, muss aber auch technisch viel Fachwissen mitbringen. Ich simuliere wüste Schlägereien und Autoüberschläge. Bei Letzterem etwa muss von Sachverständigen, aber auch von mir selbst das Auto gecheckt werden. Funktionieren die Bremsen richtig? Müssen Überrollbügel eingeschweißt werden? Sind die Schweißnähte perfekt? Könnte es sein, dass die Scheibe kaputtgeht? Könnte sie mich verletzen? Muss sie noch mit irgendeinem Material verstärkt werden? Ein Risiko ist immer dabei. Ich versuche, es durch Aufmerksamkeit und hartes Training zu minimieren.

Aber auch, wenn ich stets alles bis ins letzte Detail plane, bleiben leichtere Verletzungen nicht aus. Ich habe mir mal einen Bänderriss zugezogen, mich an der Schulter leicht verletzt, aber zum Glück nichts Schlimmes erlebt. Ich bereue keineswegs die Entscheidung, Stuntman geworden zu sein. Ich weiß noch, wie ich als 22-Jähriger eines Tages morgens aufwachte und wusste: Ich will Stuntman sein. Es hat mir so viel gegeben. Ohne diese Entscheidung wäre ich etwa nie zu Hollywoodfilmen gekommen.

Ich weiß gar nicht mehr, in wie vielen Filmproduktionen ich mittlerweile in kleineren Rollen oder als Stuntman mitgewirkt habe. Über 80 bestimmt, es könnten aber auch schon über 100 sein. Die Highlights waren drei James-Bond-Filme, darunter mit „Spectre“ der neueste, die „Bourne“-Reihe, „Fast & Furious 6“ oder „Avengers II“. Daniel Craig hat mich in diesem Fall sehr beeindruckt. Mit ihm habe ich zum Beispiel die Auftaktszene zum Film „Skyfall“ gedreht. Der ist ein super Kerl. Aber auch Brad Pitt oder Denzel Washington sind sehr professionell, besonders, wenn es um Stunts geht. Sie hören immer aufmerksam zu, wenn man mit ihnen darüber redet.

Das ist auch wichtig, denn die Anforderungen am Filmset sind manchmal noch viel höher als etwa bei Stunts in Freizeitparks. Im Film gibt es den Regisseur, dem zum Beispiel ein Motorradsturz nicht gefallen hat, und dann muss ich das noch mal drehen. Bei den Dreharbeiten, wenn ich eine Rolle spiele, konzentriere ich mich natürlich auch auf das Schauspielern und somit nicht mehr zu 100 Prozent auf den Stunt, und das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Risiko ein bisschen steigt. Dabei die Balance aus Achtsamkeit und der nötigen Risikobereitschaft zu finden, ist die Kunst.

EVANGELOS GRECOS, 43, ist einer der renommiertesten Stuntman der Welt. Er hat unter anderem an der Seite von Daniel Craig im James-Bond-Blockbuster „Spectre“ gespielt.