Einblick

„Fast wie ein Schlossherr“

Jan Christian Voegt, Aufzugsexperte bei TÜV SÜD, über einen königlichen Auftrag

Fotos Johannes Simon

Der Spiegelsaal des Neuen Schlosses auf der Insel Herrenchiemsee ist für mich ein ganz besonderer Arbeitsplatz. Immerhin war TÜV SÜD
bereits bei den Arbeiten zur Errichtung des Schlosses ab 1878 dabei: Der damalige Bayerische Dampfkessel-Revisions-Verein prüfte im Auftrag des „Märchenkönigs“ Ludwig II.
die Dampfmaschinen auf den Transportschiffen und zum Antrieb eines Krans. Dass TÜV SÜD fast 140 Jahre später immer noch auf Schloss Herrenchiemsee tätig ist, macht mich stolz. Ich inspiziere nicht nur in regelmäßigen Abständen die modernen Aufzugsanlagen, die den über 400.000 Besuchern pro Jahr die Besichtigung erleichtern. Auch die Lüsteraufzüge, mit denen die mehr als 60 Kronleuchter des Schlosses von der Decke zum Boden herabgelassen werden können, werden alle zwei Jahre von mir auf ihre Sicherheit hin überprüft. Dafür klettere ich bis in den Dachboden, wo eine Kurbelwelle aus dem 19. Jahrhundert bis heute im Einsatz ist. Denn obwohl die Kerzen der Lüster längst nicht mehr angezündet werden – sicher hängen müssen die Leuchter trotzdem.