Vision

Der Wunderbaum

In den USA forscht ein deutscher Physiker an künstlichen Bäumen, die den Klimawandel verlangsamen könnten.

 

Foto: Jon Snyder

Der Baum, der das Weltklima retten könnte, sieht aus wie ein gigantischer Tennisschläger. Er wächst nicht aus dem Boden, er wird hineingestampft. Er steht vor allem in Gegenden, in denen kein natürlicher Baum wachsen könnte. Und er soll, so heißt es, 1.000 Mal effizienter in der CO2--Absorption sein als seine natürlichen Varianten. 

Erfinder des Wunderbaums ist der deutsche Physiker Klaus Lackner, der dem Center for Negative Carbon Emissions an der Universität von Arizona vorsteht. Lackner und sein Team entwickeln eine Membran, die aus Ionenaustauscherharz besteht und mit Natriumcarbonat imprägniert wird. Diese kann in trockenem Zustand extrem viel CO2 aus der Luft aufnehmen und speichern. 

Lackners Idee: Die Kohlendioxidfänger könnten an viel befahrenen Straßen, etwa im trockenen Mittleren Westen oder den US-Wüstenregionen, aufgestellt werden und Autoabgase sammeln. Regelmäßig würden Roboter die Filter aus der Halterung nehmen und in einen Behälter im Stamm des Baums platzieren. Dann kommt die zweite Eigenschaft der Hightechmembran zum Zug: In feuchtem Zustand gibt sie nämlich das gespeicherte CO2 wieder ab. Ein auto-matisches System würde dazu den Filter in einer Vakuumkammer mit Wasser übergießen und das freigesetzte Gas über Leitungen in Tanks transportieren.

Wie das Kohlen-dioxid schließlich weiter-verarbeitet wird, ist noch offen. Es könnte in industriellen Prozessen genutzt werden, etwa bei der Herstellung von Feuerlöschern, in Kühlanlagen oder in Treibhäusern. Oder es wird gelagert – tief unter der Erde. Das wäre nur eine Zwischenlösung, würde der Menschheit aber etwas Zeit im Kampf gegen den Klimawandel verschaffen.

Noch ist die Finanzierung offen: Ein Baum, so heißt es, koste um die 20.000 Euro. Microsoft-Gründer Bill Gates immerhin engagiert sich mit seiner Stiftung für diese Innovation. Kein Wunder, denn Klaus Lackner hat Großes vor: Seinen Berechnungen nach könnten 100 Millionen seiner Wunderbäume 36 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr absorbieren – so viel, wie die Menschheit aktuell produziert.