Bursa

Aufbruch am Marmara-
meer

 

Ob Motorrad, Auto oder Traktor: Seit 2008 müssen alle türkischen Fahrzeuge regelmäßig „zum TÜV“. Das moderne und strenge Prüfsystem zeigt Wirkung. Die Zahl der Unfälle mit Todesfolge geht seit Jahren zurück.

 

Etappe 8  ■  Rajahmundry ➡ Bursa  ■  5.450 km  ■  Ankunft 19.11.2015, 8:30 Uhr  ■  Reisestunde 129  ■  19°C  ■  Gesamtstrecke 55.550 km

Es ist neun Uhr morgens in Mudanya, einem Luftkurort am Marmarameer. Die Sonne scheint, das Wasser glitzert – ein schöner Tag. Ein VW Caddy fährt auf den weiten Platz direkt am Ufer. Er trägt das blaue Logo von TÜVTÜRK, ein Oktagon wie das der deutschen Muttergesellschaft TÜV SÜD. Die beiden Techniker parken das Auto, dann bauen sie routiniert mithilfe von Absperrbändern und Hütchen einen mobilen Prüfstand auf. Zum Schluss wird eine Kamera auf dem Wagendach montiert. Hier wird alles aufgezeichnet, als Dokumentation und zum Schutz vor Korruption.

Jetzt kann die Prüfung beginnen. Der erste Traktor wartet schon. Es ist ein roter Erkunt, zügig fährt er in die Prüfzone ein. Die Traktorfahrer im ganzen Land kennen diesen Ablauf mittlerweile. Zu Beginn des neuen Jahrtausends beschloss die türkische Regierung, die hohen Unfallzahlen im Land zu senken, veraltete Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen und alle anderen nach europäischen Standards regelmäßig begutachten zu lassen. TÜV SÜD baute daraufhin zusammen mit zwei  Partnerfirmen ein flächendeckendes Netz von Prüfstellen in der Türkei auf, die 2008 in Betrieb gingen. Darunter sind auch über 100 mobile Stationen, unter anderem für landwirtschaftliche Maschinen – ein Service für die Bauern im landwirtschaftlich geprägten Anatolien.

 

Rund um die Welt in 150 Stunden

Alle Stationen im Überblick

 

 

Nach einem genauen Prüfplan zieht der Prüfer Rahmi Aksu zusammen mit einem Kollegen die Inspektion durch. Beleuchtung, Hupe, Reifen und andere technische Details werden geprüft, dazu die Papiere kontrolliert. Zum Schluss gibt es den Bremsentest. Traktorfahrer Ibrahim beschleunigt sein Fahrzeug auf Höchstgeschwindigkeit und knattert am Strand auf eine Markierung zu. Auf ein Zeichen von Rahmi Aksu hin steigt er in die Eisen: Vollbremsung. Nach wenigen Metern steht der Traktor. Prüfung bestanden. Es gibt die Plakette.

Zur gleichen Zeit mitten in Istanbul, auf der anderen Seite des Marmarameers, 90 Minuten mit der Schnellfähre: Hier herrscht bereits Gedränge vor der Dudullu-Station, einem der TÜVTÜRK-Prüfzentren in der Türkei. Knapp 100 Autos warten schon vor der Prüfhalle. An manchen Tagen sind es 150.

Die TÜVTÜRK-Station ist hochmodern – und kundenfreundlich: Es gibt eine einladende Empfangslobby, einen gemütlichen Warteraum mit Blick auf die Prüfhalle und sogar ein kleines Café für die wartenden Fahrzeugbesitzer. Auf sechs Spuren werden die Fahrzeuge abgefertigt. Stationsleiter Aydinç Akta sagt: „Unsere Arbeit ist sehr wichtig für die Verkehrssicherheit in der Türkei. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft.“

In der Türkei ist man stolz auf eines der modernsten Systeme der Welt zur Fahrzeugüberwachung. Dass heute deutlich strenger geprüft wird als vor dem Start von TÜVTÜRK, nehmen die meisten Fahrzeugbesitzer gelassen hin. Immerhin dienen die Kontrollen der Sicherheit. Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen 2008 noch fast 34 Menschen pro 100.000 Fahrzeuge im türkischen Straßenverkehr ums Leben. 2013 lag die Zahl bei weniger als 21. 

In Dudullu nehmen die ersten Kandidaten ihr Fahrzeug schon nach 20 Minuten wieder in Empfang – versehen mit dem berühmten achteckigen Prüfsiegel. „Güle Güle“ heißt es dann am Ende – auf Wiedersehen bis in zwei Jahren.

 

 

Facts & Figures

2008

Start der landesweiten Fahrzeugüberwachung durch TÜVTÜRK. 

 

200

Anzahl der festen Prüfstationen in der gesamten Türkei.

 

3.500

Gesamtanzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei TÜVTÜRK.

 

9

Millionen Haupt­untersuchungen werden pro Jahr durch­geführt.

 

40 %

Rückgang der tödlichen Verkehrsunfälle in der Türkei seit 2008.