Kolumne

HERR HUBER, was denken sie über...

GEHEIMNISSE?

Unterwasserarchäologe Dr. Florian Huber über die besonderen Anforderungen in seinem Beruf und interessante Funde auf dem Meeresgrund.

Illustration Joe Waldron

 

 

Es ist interessant, wie manche Leute Schweißausbrüche bekommen, wenn sie meine Geschichten hören. Wenn ich zum Beispiel erzähle, wie ich durch stockfinstere Unterwasserhöhlen auf der Halbinsel Yucatán tauche, durch Öffnungen, die gerade mal so groß sind, dass ein Mensch durchpasst. Ich muss da immer schmunzeln, denn das hört sich so spektakulär an. Für mich ist das Normalität.

Als Unterwasserarchäologe tauche ich ab in die Meere dieser Welt, immer auf der Suche nach neuem Wissen, das ich dann wieder mit an die Oberfläche bringe. Ich tauche hinab zu Schiffswracks, inspiziere steinzeitliche Siedlungen, finde Reliquien einer lange vergangenen Zeit. Diese Geheimnisse faszinieren mich ungemein – sie zu erforschen und mit der Gesellschaft zu teilen, sehe ich als eine wichtige Aufgabe an. 

Spannend für Archäologen sind beispielsweise der östliche Pazifik und der Golf von Mexiko. Besonders beeindruckend waren die mexikanischen Höhlen auf der Halbinsel Yucatán. Dort erforschten wir das Leben der Maya, wir fanden sehr gut erhaltene Skelette und Tonkrüge, selbst eine steinzeitliche Feuerstelle, die 8.500 Jahre alt ist. Tauchgänge in diesen Höhlen sind wie eine Reise in eine andere Welt. 

Bei all der Faszination müssen wir uns aber auch immer den Gefahren des Tauchens bewusst sein. Im Zweifel ist aber das Wasser stärker. Die Kombination aus Ausbildung, Ausrüstung und Teamgeist muss daher immer stimmen. 

Wenn wir zu Schiffswracks in bis zu 80 Metern Tiefe tauchen, haben wir eine halbe Stunde Zeit für unsere Arbeit. Allein 90 Minuten brauchen wir, um nach einem geregelten Ablauf wieder an die Oberfläche zu schwimmen. Bis zu 100 Kilogramm wiegt unsere Ausrüstung. Dazu zählen unter anderem: ein dünner Taucheranzug, um beweglich zu sein, Skiunterwäsche, eine elektrische Heizweste, drei unterschiedliche Gasgemische zum Atmen in fünf verschiedenen Flaschen, Lampen, Atemregler, kleine Computer, die uns etwa anzeigen, wie viel Gas wir durchschnittlich nutzen. Alle lebenswichtigen Utensilien sind immer in zweifacher Ausführung dabei. 

Uns bleibt auch keine andere Wahl, als dem Material zu vertrauen. Unter Wasser können wir uns nicht auf das Tauchen konzentrieren, da muss der Fokus auf der Arbeit liegen. Deshalb muss jede Bewegung sitzen. Wir haben daher sechs bis sieben Flossenschläge, mit denen wir uns sicher bewegen. Sie heißen Frog-Kick oder Helikopter-Turn.

Unsere Aufklärungsarbeit ist schwierig, aber auch wichtig. Wir wissen so gut wie nichts über unsere Tiefsee. Die Unesco schätzt, dass weltweit drei Millionen Schiffswracks auf Grund liegen. Maximal ein Prozent davon sind bisher untersucht worden. Ich habe also noch einiges zu tun, um diese Geheimnisse der Tiefe zu erforschen!


Foto: privat

DR. FLORIAN HUBER, 41, der gebürtige Münchener ist selbstständiger Unter­wasser­archäologe und Forscher. Huber ist Autor des Buches „Tauchgang ins Totenreich“ und Protagonist der Kino-Doku „Die Höhlen der Toten“.