Vision

Spion im Kopf

Winzige Transmitter, sogenannte Brain Modems, könnten in Zukunft dafür sorgen, dass Menschen Computer mit ihren Gedanken steuern.

 

 

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?“, heißt es in einem bekannten Volkslied. Und tatsächlich: In einer Welt, in der unser Verhalten dank sozialer Medien, GPS-Ortung und Internet immer transparenter wird, sind es scheinbar nur noch die Gedanken, die anderen Menschen verborgen bleiben. Nur die Person selbst weiß, was sie denkt. Für viele mag eine Meldung vom anderen Ende der Welt daher wie eine Horrorvision klingen: Der Neurologe Tom Oxley und sein Team von der Universität Melbourne arbeiten an einem Gerät, das Gedanken exakt lesen und speichern soll. Ein Ziel könnte es sein, künftig Computer allein mit Gedanken zu steuern.

Im Zentrum der weltweiten Forschungen steht das sogenannte Brain Modem – ein winziger Transmitter, gerade mal so groß wie eine Büroklammer. Modem deshalb, weil der Transmitter als Übersetzer zwischen zwei Endgeräten dienen soll. In diesem Fall würde das Brain Modem die elektrochemische Sprache der Neuronen des Gehirns in die Nullen und Einsen der allgemeinen Informationstechnologie übersetzen.

Dieser Transmitter kann die Wissenschaftler bei der Erforschung des Gehirns entscheidend voranbringen: Bislang wurden zum Sammeln von neurologischen Aktivitäten vor allem Helme samt Elektroden genutzt. Diese sind allerdings nicht genau. Ein Transmitter garantiert detailliertere Informationen. Allerdings konnte er bislang nur durch einen riskanten chirurgischen Eingriff eingesetzt werden.

Basierend auf der bestehenden Stent-Technologie sollen die kleinen Transmitter künftig direkt in den Blutkreislauf eingesetzt werden. Diese „Stentrodes“ – eine Wortkombination aus Stent und Elektrode – sollen sich selbst bis zum Gehirn bewegen und an der Wand eines Blutgefäßes andocken. Die Technik, so viel ist bekannt, wurde bereits an Schafen getestet

Ob mit diesen Brain Modems dann wirklich Gedanken gelesen werden können, muss sich erst zeigen. Obwohl erste Tests mit Menschen bereits geplant sind, dämpft der Neurologe Tom Oxley noch die Erwartungen. Wir werden also vermutlich noch lange das denken dürfen, was wir wollen – ganz intransparent.