Unternehmenskultur

Der besondere Arbeitsplatz

Unternehmen brauchen hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um erfolgreich sein zu können. Wer wie TÜV SÜD mit einer sinnstiftenden Tätigkeit punkten kann, hat gute Chancen, die besten Talente für sich zu gewinnen.

Text Jörg Riedle Illustrationen Sam Green

Sie strebt nach Selbstverwirklichung im Job und will mit ihrer Arbeit eine sinnvolle Tätigkeit verrichten. Spaß an der Arbeit, ausreichend Zeit für Freunde und ein gutes Image des Arbeitgebers sind ihr wichtiger als ein formeller Status oder gute Bezahlung. Und sie wird sich künftig auf dem Arbeitsmarkt rarmachen – so rar, dass Unternehmen intensiv um sie werben müssen: die Generation Z.

Unter diesem Begriff fassen Soziologen und Personalverantwortliche die jungen Menschen zusammen, die etwa ab Mitte der 1990er-Jahre geboren wurden, somit heute um die 20 Jahre alt sind und in den kommenden Jahren die Universitäten verlassen und zu arbeiten beginnen werden. Auf Unternehmen, so ist vielfach zu lesen, kommen durch sie völlig neue Anforderungen zu – denn die neue Generation tickt ganz anders als ihre Vorgänger. Wer sich als Arbeitgeber nicht von Grund auf verändere, so die unterschwellige Warnung, werde bald keine geeigneten Bewerber mehr finden.


Alexandra Rupp, 32, TÜV SÜD Product Service, München

„Mir ist ein anspruchsvolles Aufgabengebiet wichtig, ich möchte Prozesse anders denken dürfen. Das kann ich bei TÜV SÜD, mir wird viel Vertrauen entgegengebracht. Gleichzeitig erwarte ich aber auch Freiraum für privaten Ausgleich.“

Stefanie Adrom ist skeptisch: „Die Einteilung von Menschen in Generationen ist sehr plakativ, aber auch ein grobes Konstrukt – denn nicht alle Menschen einer Altersgruppe ticken gleich.“ Die Juristin leitet den Bereich Employer Conditions bei TÜV SÜD und ist damit strategisch für die weltweite Entwicklung der Arbeitsbedingungen des globalen Dienstleisters verantwortlich. „Zwar merken wir in vielen Bewerbungsgesprächen, dass junge Menschen heute teilweise andere Wünsche an einen guten Arbeitsplatz als früher haben, es greift aber zu kurz, dies mit solch gängigen Schlagworten zu versehen.“ Allenfalls langfristige vage Trends ließen sich aus solchen Klassifizierungen ableiten.

„Grundsätzlich gilt aber, dass sich Unternehmen heute viel stärker als noch vor zehn Jahren als attraktiver Arbeitgeber präsentieren“, ergänzt Adrom. „Das trifft besonders auf Bereiche zu, in denen es aktuell schwierig ist, gute Mitarbeiter zu finden.“ Ein angemessenes Gehalt, flexible Arbeitszeiten und Zusatzleistungen wie eine betriebliche Altersvorsorge sind dabei längst Pflicht – aber erst die Kür entscheidet, wie erfolgreich ein Unternehmen auf der Jagd nach den besten Mitarbeitern ist.

Die Kür – das ist zum Beispiel die Unternehmens- und Arbeitskultur. „Wenn plötzlich viele hochattraktive Arbeitgeber denselben Typ Fachkraft suchen, ist die Auswahl für den Arbeitnehmer groß. Die Unternehmen müssen sich dadurch an der Zielgruppe ausrichten und nicht andersherum“, sagt Sonja Sackmann, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität der Bundeswehr München. „Ich sehe Umbrüche in der Art, wie Unternehmen Arbeit organisieren, allerdings keinen radikalen Wandel.“ Mehr Flexibilität und Informalität in der Unternehmenskultur und flache Hierarchien seien (keineswegs neue) Trends, die von erfolgreichen Unternehmen vorgelebt und von Bewerbern nachgefragt würden.


Simon Nikol, 32, Softwareingenieur, TÜV SÜD München

„Eine realistische Sichtweise, Mut für verantwortungsvolles Handeln, gutes Arbeitsklima und eine angemessene Vergütung: Das macht für mich einen guten Arbeitgeber aus. TÜV SÜD verkörpert das, zudem gefällt mir die offene Kommunikation.“

Aktuell beobachtet Sackmann, dass der Umgang miteinander immer lockerer wird: Da fällt in europäischen Konzernen der Anzug als gängiges Kleidungsstück weg, Mitarbeiter aller Hierarchiestufen duzen sich. „In Start-ups ist das normal, das hinterfragt niemand“, sagt die Arbeitspsychologin. „Mittelständische Unternehmen hatten den informelleren Umgang schon lange, ohne, dass dem groß Beachtung geschenkt wurde. Globale Unternehmen aber haben oft eine Vielzahl an Regularien und gewachsene Strukturen, die sie einhalten müssen. Da geht es dann eben nicht so schnell mit dem Wandel.“

Andere Firmen versuchen es mit oft öffentlichkeitswirksamen Zusatzleistungen: So wie ein großes Filmstudio in den USA, das neuerdings in Verhandlungen mit potenziellen jungen Mitarbeitern einen Kühlschrank im Büro anbietet. Jeden Tag aufgefüllt mit allem, was der Arbeitnehmer will, versteht sich. Sonja Sackmann ist allerdings skeptisch, ob solche Maßnahmen nachhaltig wirken, und erzählt von einem Beispiel, das sie in Zürich aufgegriffen hat. „Da fanden es die Arbeitnehmer toll, dass sie eine Rutsche in ihrer Organisation hatten und 24 Stunden am Tag etwas essen konnten. Aber sobald sie eine wichtige persönliche Verbindung eingegangen sind, eine Familie gegründet haben, änderten sich die Ansprüche.“ Plötzlich war eine ausgeglichenere Work-Life-Balance wichtiger als eine Rutsche im Büro. Und dann ist da noch die Sache mit dem Image.


Ju-Hee Chol, 29, Assistant Manager Marketing, TÜV SÜD Korea

„Ich mag die respektvolle Kultur von TÜV SÜD. Auch im Vergleich zu einigen anderen Unternehmen in Korea sorgt sich TÜV SÜD um das Wohl der Mitarbeiter und eine gute Work-Life-Balance.“

„Ob ein Unternehmen auf dem Bewerbermarkt als attraktiv empfunden wird, hängt in weiten Teilen davon ab, inwieweit es beim Bewerber positive Gefühle auslöst“, erläutert Stefanie Adrom. „Attraktive Arbeitgeber stehen für mehr als bloße Gewinnmaximierung“, schrieb bereits vor über fünf Jahren auch das Magazin „Harvard Business Manager“. Und weiter: „Sie entwickeln Produkte oder Dienstleistungen, die einen deutlichen Mehrwert bringen und Mitarbeitern einen Sinn für ihre Arbeit vermitteln.“

Glücklich, wer hier seine Produkte für sich sprechen lassen kann: Nicht umsonst landen Deutschlands Automobil- und Luftfahrtunternehmen regelmäßig auf den ersten Plätzen einschlägiger Arbeitgeberrankings. Das gute Image ihrer Hightechentwicklungen, die in der Öffentlichkeit und den Medien präsent sind, sorgt am Ende dafür, dass das gesamte Unternehmen positiv aufgeladen wird. Auch IT-Firmen wie Google oder Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer oder das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die für Spitzentechnologien an sich stehen, werden von den jungen Ingenieuren zuverlässig gut bewertet.

Aber auch Unternehmen, die keine Produkte für sich sprechen lassen können, haben eine Chance: Wenn sie langfristig in den Aufbau ihrer Marke investieren. So wie TÜV SÜD: Seit rund fünf Jahren setzt der Dienstleister auf das Thema Verantwortung und Sicherheit – und auf die Bedeutung der Tätigkeit seiner mehr als 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Gesellschaft. Immerhin lautet die Mission des Unternehmens seit fast 150 Jahren: Menschen, Umwelt und Sachgüter vor nachteiligen Auswirkungen von Technik zu schützen. Oder anders gesagt: Die Welt sicherer zu machen. „Diese Botschaft kommt auch heute an“, weiß Stefanie Adrom. „Wer bei TÜV SÜD arbeitet, weiß, dass seine Arbeit eine Relevanz für die Gesellschaft hat – und dass diese ein kleines bisschen unsicherer wäre, wenn es ihn oder sie nicht gäbe.“


Auftrag für mehr Sicherheit

Seit der TÜV-Gründung im Jahr 1866 arbeitet das Unternehmen daran, die Welt sicherer zu machen und Gefahren, die aus neuen Technologien herrühren, zu minimieren. Bis heute gilt: Ohne jeden einzelnen der 24.000 TÜV SÜD-Mitarbeiter wäre unsere Welt ein kleines bisschen unsicherer. "Etwas tun, das Sinn für viele macht" ist heute die zentrale Botschaft, mit der TÜV SÜD sich in Stellenanzeigen, auf Jobportalen und Recruitingmessen präsentiert. Die Werte des Unternehmens - Integrität als Maßstab des Handelns, Vertrauen ins eigene Können, innere Prinzipien als Wegweiser und ein Blick für das Ganze - stellen sozusagen die Leitlinien für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens dar. Mit der konsequenten Betonung der Arbeitgebermarke als Unternehmen mit hoher Relevanz für die Allgemeinheit spricht TÜV SÜD gezielt diejenigen potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die in ihrem Beruf eine sinnvolle und gesellschaftlich wichtige Tätigkeit ausführen möchten. Verschiedene Untersuchungen prognostizieren, dass dieser Aspekt für Arbeitnehmer in den kommenden Jahren immer stärker an Bedeutung gewinnen wird.