Kolumne

Frau Håkansson, was denken sie über...

Geschwindigkeit?

Eva Håkansson explains what is like to be the world's famous woman on an e-motorcycle.

Illustration Joe Waldron

Mein Weltrekord vor einem Jahr begann mit Langeweile. Bis zu einer Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern war wirklich nicht viel los, ich saß auf meinem elektrischen Motorrad, musste nicht schalten. Erst, als es auf die 400 Stundenkilometer zuging, wurde es aufregend. Und geradezu magisch, als dann alles funktionierte und ich meinen Rekord von 400,2 Stundenkilometern aufstellen konnte. Seitdem bin ich offiziell die schnellste Motorradfahrerin der Welt – und das wohlgemerkt auf einem elektrisch angetriebenen Motorrad. Im Moment des Rekords ging mir nur eines durch den Kopf: „Let’s do it again!“

Zusammen mit meinem Mann arbeite ich seit 2010 an KillaJoule, meinem Motorrad, das dank seiner Bauform für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt ist. 18 Monate, nachdem wir angefangen hatten, fuhr ich zum ersten Weltrekord. Jedes Jahr kam bisher ein neuer hinzu. Dabei finde ich es etwas komisch, dass ich diese Aufmerksamkeit wahrscheinlich nur bekomme, weil ich eine Frau bin. Ich habe in Maschinentechnik promoviert und wollte nie ein Vorbild sein, bin es aber geworden.

Jetzt versuche ich, diese Aufmerksamkeit so gut es geht zu nutzen. Meine Mission ist es, das Verständnis für umweltfreundliche Mobilität zu erhöhen und die großen Potenziale aufzuzeigen. Als diese Elektrofahrzeuge vor etwa 15 Jahren erstmals auf den Markt kamen, waren sie eher langweilig und sahen nicht gut aus. Kaum einer konnte sich vorstellen, selbst damit zu fahren. Man fürchtete sich ja fast, dass die Nachbarn lachen könnten. Aber elektrische Mobilität ist sexy! Und im Zusammenspiel mit dem Rennsport kann sie sogar richtig spektakulär sein. 

Meine Liebe zum Rennsport umschreibe ich immer flapsig als genetische Fehlfunktion. Ich liebe die Geschwindigkeit! Schon mein Vater war Rennfahrer. Gleichzeitig bin ich ein „tree hugger“, eine Umweltliebhaberin. Freunde von mir sind Aktivisten, die zum Beispiel auf Kohlekraftwerke klettern und dort für saubere Energie demonstrieren. Ich aber wollte meine Liebe für die Umwelt auf andere Weise zeigen, ohne meine Zukunft zu riskieren. Also verband ich meine beiden Leidenschaften. Elektrische Fortbewegungsmittel sind die nachhaltige Lösung der Zukunft. Wir müssen etwas ändern, wenn wir weiter in der Form auf der Erde leben wollen, wie wir es gewohnt sind. 

Ende August plane ich noch einen letzten Rekord mit Killajoule. 482 Stundenkilometer sind das Ziel. Dann schicke ich KillaJoule in Rente, das Maximum wäre erreicht. Nächstes Jahr werde ich sehr wahrscheinlich an der Universität von Auckland in Neuseeland Ingenieursdesign lehren. Das heißt: Mein neues Baby dürfte dort zur Welt kommen. Es soll Green Envy heißen und bis zu 650 Stundenkilometer schnell sein. Das wäre dann Magie im Quadrat.


Eva Håkansson, 35 Jahre, ist gebürtige Schwedin und lebt seit 2008 in den USA. Die Liebe zu Motorrädern erbte sie von ihrem Vater: Der war begeisterter Fahrer.


Rekord zum Selberbasteln
Sie wollen sich selbst das schnellste E-Motorrad der Welt bauen? Dieses Do-It-Yourself zeigt in groben Zügen die Bestandteile.