Vision

Das Surren der Anderen

Weil das Bienensterben zunimmt, entwickeln japanische Forscher künstliche Drohnen. Diese können ihre natürlichen Pendants aber nur begrenzt ersetzen.

Foto Eijiro Miyako

Man stelle sich einmal vor, die Bestäubung von nahezu allen Nutz- und Wildpflanzen wäre nicht mehr möglich. Die Folgen für den Menschen wären beträchtlich, vor allem hinsichtlich der Ernährung. Honig und Getreide würden sich schlagartig verteuern, die Obstabteilungen in den Supermärkten wären wie leergefegt. Es ist eine Vision, die aber vor allem Biologen derzeit theoretisch durchspielen. Denn: Die Bienen, zuständig für das Bestäuben von 80 Prozent unserer Pflanzen und damit unersetzbar in unserem Ökosystem, sterben massenweise.

Experten nehmen an, dass sowohl der Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft als auch die Verbreitung von Milben und Viren dazu beitragen. Gegenwärtig rücken deshalb wieder stärker Bestrebungen in den Vordergrund, die Bienen zu schützen. Immer mehr Städte bestücken die Dächer von Neubauten mit Grünanlagen, um den Insekten auch in urbanen Gebieten eine Lebensgrundlage zu bieten. Der globale Negativtrend aber bleibt.

Eijiro Miyako und seine Kollegen vom National Institute of Advanced Industrial Science and Technology in Japan nähern sich dem Problem daher von einer anderen, technologischen Seite an. Um den Verlust der natürlichen Bienen auszugleichen, forscht das Team an künstlichen Drohnen, die, wie die Bienen, Pollen zu Pflanzen übertragen sollen. Äußerst fleißige Drohnen also, die, ganz im Gegensatz zu ihren männlichen Namenspendants tatsächlich arbeiten – im natürlichen Bienenreich sind für die Bestäubung ja nur Arbeiterinnen zuständig.

Der Drohnen-Quadrocopter weist keinerlei Ähnlichkeit mit dem Insekt auf, verhält sich aber so. Er ist an der  Unterseite mit Pferdehaar  und einem speziellen Gel beklebt. Damit kann das Fluggerät Pollen aufnehmen und auf einer anderen Pflanze wieder abstoßen.

Surrt es also bald nicht mehr? Wohl kaum. So sollen ein GPS-Sender, eine hochauflösende Kamera und künstliche Intelligenz integriert werden. Wie all die Technik in eine Minidrohne passen soll, ist offen. Biologen glauben daher auch, dass die Drohnen in Umgebungen eingesetzt werden, die für natürliche Bestäuber ungeeignet sind – etwa in Labors. In der Natur dürfte es daher weiter summen statt surren.