VISION

Schau an!

US-amerikanische Forscher tüfteln momentan an der Funktionalität einer Brille, die sich selbst scharf stellen kann. Diese könnte vor allem Menschen helfen, die gleichzeitig kurz- und weitsichtig sind.

Foto: Dan Hixson / University of Utah College of Engineering

Ernst Freiherr von Feuchtersleben wusste es schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der österreichische Arzt und Philosoph befand: „Ist das Auge klar, so ist es auch die Welt.“ Was heute, 200 Jahre später, immer noch stimmt: Sieht man  die Welt verschwommen, stimmt etwas nicht.

Und das geschieht immer öfter. Kurz- und Weitsichtigkeit nehmen gerade in der industrialisierten Welt zu, vor allem im Alter und außerdem  gleichzeitig. Wenn das Buch direkt vor der Nase genauso unscharf wie das Straßenschild einige Meter entfernt erscheint, wird es knifflig und umständlich. Eine Gleitsichtbrille oder eine Augenoperation sind nicht jedermanns Sache. So besteht die Lösung oft nur in der Benutzung von gleich zwei Brillen.

Forscher der University of Utah haben nun Augengläser entwickelt, die die Funktion der Augenlinse übernehmen können und sich selbstständig scharf stellen. Die Gläser bestehen aus Glycerin, einem dickflüssigen Stoff, der von einer gummiartigen Membran umschlossen wird. In jedem Glas ist die rückseitige Gummihaut mit einer Mechanik verbunden, die die Membran vor- und zurückschieben kann. So verändern sich die Krümmung der flüssigen Linse und die Brennweite.

In der Brücke über der Nase befindet sich ein Infrarot-Entfernungsmesser, der den Abstand der Brille zu einem Objekt misst. Wenn der Brillenträger ein Objekt fokussiert, erkennt das Messgerät die genaue Distanz und gibt die Info, wie die Linse zu krümmen ist, an die Mechanik weiter. Der Wechsel und das Fokussieren sollen nur 14 Millisekunden dauern.

Ob wir die Welt wirklich mit dieser Brille klarer sehen, wird sich innerhalb der nächsten drei Jahre herausstellen: Spätestens dann soll eine leichtere und modischere Variante den momentan klobigen Prototypen ersetzen und auf den Markt kommen. Ernst Freiherr von Feuchtersleben wäre begeistert gewesen. 


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