Neuer WLTP-Prüfstandard

Abgefahren

Detaillierter, realitätsnäher, transparenter: Seit dem 1. September ist der WLTP-Prüfstandard bei Emissions- und Verbrauchsprüfungen von Pkw-Typzulassungen in vielen Ländern verpflichtend. Pascal Mast, Leiter des Abgasnetzwerks von TÜV SÜD, gibt einen Einblick. 

Illustration Axel Pfaender

1 Fasten Your Seatbelt
Wenn ein Autoproduzent einen neuen Pkw-Typ zulassen will, lässt er bei uns Abgas- und Verbrauchswerte prüfen. Dazu wird zuerst der Rollwiderstand des Fahrzeugs ermittelt – das geschieht meist auf den Runways von alten Flughäfen. Dort beschleunigen wir das Auto über drei Kilometer und lassen es dann ausrollen. Bei dem einen Modell ist der Weg länger, bei dem anderen kürzer. Den Rollwiderstand brauchen wir für den Rollprüfstand im Labor.


2 Auf die Rolle, fertig, los!

Im Labor wird das Fahrzeug doppelt getestet: zunächst bei 23 Grad Celsius, das war schon immer der Fall. Nun aber auch bei 14 Grad Celsius. Denn: Mit der Temperatur ändert sich auch der Verbrauch. Je kälter es ist, desto höher ist der Verbrauch, da der Motor warmlaufen muss. Bei beiden Temperaturen werden die Autos jeweils in voller und in magerer Ausstattung geprüft. Ein Zyklus dauert 30 Minuten, es werden Stadtverkehr, Überland- und Autobahnfahrten simuliert. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 140 Stundenkilometer. Die Werte dieser zweigeteilten Laboruntersuchung erscheinen später im Fahrzeugschein.


3 Ausschwitzen

In einer abgeschlossenen Prüfkammer, die dem Aufbau und der Größe einer Parkgarage entspricht, wird die Verdunstungsemissionsmessung durchgeführt. Dabei wird die Verdunstung von Bestandteilen wie Öl oder Kraftstoff gemessen, wenn sich das Fahrzeug im Ruhezustand befindet. Wichtig ist, dass das Auto warmgefahren wird, bevor es für 48 Stunden in der Kammer verschwindet.


4 In freier Wildbahn

Neu – und zusätzlich zum WLTP-Standard – ist die Prüfung außerhalb des Labors. Zwei Stunden lang wird das Auto unter realen Bedingungen, dem sogenannten Real-Driving-Emissions-Test, durch die Stadt, über Land und über die Autobahn gefahren. Zur Datenerfassung wird eine mobile Messtechnik auf die Anhängerkupplung montiert. Dieser RDE-Test soll realitätsnahe Emissions- und Verbrauchswerte ermitteln. Diese dürfen das 2,1-Fache der Laborwerte nicht überschreiten. 


5 Start Your Engine!

Sind die Werte im grünen Bereich, kann das Fahrzeug zugelassen werden. Wir leiten dann einen technischen Bericht an die zuständige Behörde weiter. Überschreiten die Werte des RDE-Tests allerdings jene aus dem Labor um mehr als die zulässige Toleranz, ist der Fahrzeugtyp nicht zulassungsfähig. Dann muss der Hersteller nacharbeiten.