KOLUMNE

MR. PEARCE, WAS DENKEN SIE ÜBER...

VERANTWORTUNG?

Der frühere Weltklasse-Snowboarder Kevin Pearce über einen schweren Sturz, der seine Karriere jäh beendete – und was er daraus gelernt hat. 

Illustration Joe Waldron

Es gibt einige Leute, die es belächeln, einen Helm zu tragen. Sei es beim Fahrradfahren oder bei anderen sportlichen Aktivitäten – sie glauben, sie hätten einen solchen Schutz nicht nötig. Was soll schon passieren? Wenn solche Menschen aber meine Geschichte hören, vergeht ihnen das Lachen ganz schnell. Mein Beispiel zeigt, dass ein Helm manchmal zwischen Leben und Tod entscheiden kann.

Hätte ich damals, am Silvesterabend 2009, keinen Schutz auf dem Kopf getragen, wäre ich heute ziemlich sicher nicht mehr hier. Das vermuten zumindest die Ärzte. Ich war damals einer der  besten Snowboarder der Welt und trainierte für die Olympischen Spiele in Salt Lake City. Bei einem besonders schwierigen Trick verlor ich die Kontrolle. Ich knallte mit dem Kopf auf die vereiste Halfpipe und trug schwere Kopfverletzungen davon. Doch für mich ist das Wichtigste, dass ich überlebt habe. 

Bis heute habe ich Probleme mit den Augen, will mich aber nicht beklagen und schaue auch nicht mehr zurück. Denn das Glück, das ich damals hatte, ist längst zu einer Verpflichtung für mich geworden. Im Jahr 2014 gründete ich mit meinem Bruder die Stiftung Love Your Brain. Wir wollen dafür sorgen, dass die Menschen mehr Verantwortung für ihre Sicherheit, sich selbst und ihr Gehirn übernehmen. Es ist unser wichtigstes Organ, es macht uns als Menschen aus. Ich reise viel durch die Welt, halte Reden und will für Sicherheit und Gesundheit sensibilisieren. Die Stiftung sorgt für eine große Community, die denjenigen bei ihren Programmen und Therapien hilft, die bereits mit einer Hirnverletzung zurechtkommen müssen. 

Es mag sich überhöht anhören, aber ich glaube, dass ich dank meiner Bekanntheit etwas bewegen kann. Worte haben sehr viel Macht, das ist meine Meinung. Sie sind aber nur die eine Seite. Gleichzeitig muss das Schutzequipment auch zu 100 Prozent sicher sein. Zu wissen, dass man sich auf seine Ausrüstung verlassen kann, ist essenziell. Denn nur so können Leistungssportler Höchstleistungen bringen und Freizeitsportler ihre Aktivität genießen. 

Ich selbst freue mich schon auf den Winter. Dann, wenn ich wieder snowboarden kann. Ich bin längst raus aus der professionellen Szene, ich fahre nur noch zum Spaß, mit Freunden. Dabei genieße ich das Snowboarden sehr, denn ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist. Vor den Touren werde ich wie immer mein Equipment checken, ob auch alles passt. Denn ich weiß ja selbst am besten, dass dies am Ende Leben retten kann.


Foto: privat

 

Kevin Pearce, 30 Jahre, ist ein ehemaliger US-amerikanischer Profi-Snowboarder. Er war jahrelang einer der besten seines Fachs. 2009 verletzte er sich während des Trainings und musste seine Karriere beenden.