Vision

Galaktische Träume

Mond, Mars – und vielleicht noch weiter? Mehrere Staaten planen, in den kom­menden Jahren wieder Menschen ins Weltall zu schicken. Um die enormen Entfernungen über­brücken zu können, sollen die Astronauten dabei in einen künstlichen Tief­schlaf versetzt werden. Kann das funktionieren?

Illustration: Nathan Kreuzman

Der Letzte macht das Licht aus: So zumindest stellt der Kinofilm „Interstellar“ aus dem Jahr 2014 den Beginn einer bemannten Reise in eine ferne Galaxie dar. Bereits kurze Zeit nach dem Start versetzen sich die Astronauten in speziellen Kälteboxen in einen genau berechneten Tiefschlaf. Erst Jahre später, nah an ihrem Ziel, erwacht die Crew wieder – und mit ihr das Leben an Bord des Raumschiffs. Nun schickt sich ein Unternehmen an, diese Science-Fiction-Vision Realität werden zu lassen.

Genau 45 Jahre ist es her, dass der letzte Mensch auf dem Mond stand. Viereinhalb Tage war die Crew von Apollo 17 bis zur Landung auf dem Trabanten unterwegs. Bis zum Mars würde es beim aktuellen Stand der Technik ungleich länger dauern: etwa sechs Monate. Die Raumsonde New Horizons benötigte 9,5 Jahre, um Pluto zu erreichen. Und hinter Pluto geht es ja noch viel weiter. 

Raumfähren sind bis ins letzte Detail optimiert, jedes Gramm ist entscheidend – die Versorgung etwa von vier Menschen über einen Zeitraum von einem Jahr zu gewährleisten, ist schwierig, bei noch längeren Reisen fast unmöglich. Das Unternehmen SpaceWorks schlägt daher eine Kälteschlafmethode vor, die therapeutische Hypothermie benannt wird. Dabei wird der Körper unter die Normaltemperatur von 37 Grad Celsius gekühlt. In der Medizin wird dieser Prozess bereits genutzt, um Patienten mit Herzstillstand oder traumatischen Verletzungen des Gehirns zu behandeln. Die Herausforderung indes ist, dass dieser Zustand normalerweise zwei bis vier Tage aufrechterhalten werden kann. Die Ingenieure von SpaceWorks hoffen, diesem auf mehrere Monate auszudehnen. 

Das Konzept sieht eine Art Kältekammer vor, in der die Crew eines Raumschiffes schichtweise in die therapeutische Hypothermie gehen könnte. Im Gegensatz zum Film „Interstellar“ etwa wäre immer eine Person wach und könnte auf Notfälle reagieren und die Astronautenkollegen aus dem Tiefschlaf zurückholen. 

Laut Spaceworks sollen erste Tierversuche im nächsten Jahr beginnen. Studien mit menschlichen Probanden sollen folgen, bevor die Methode schließlich auf der Internationalen Raumstation erprobt werden könnte. Wann wir auf diese Weise dann wirklich tief ins Weltall vordringen können, steht aber noch in den Sternen.