Neuer Emissions-Prüfstandard WLTP

"Die Angaben sind jetzt realistischer“

Pascal Mast, Leiter des Abgasnetzwerks von TÜV SÜD, über die Herausforderungen und Vorteile des neuen Prüfstandards WLTP.

Interview Tino Scholz

Herr Mast, warum ist der neuen WLTP-Standard richtig und notwendig?

Er ist gut, weil er näher an der Realität ist. Die Kritik am alten Standard NEFZ war ja, dass die Tests nicht unter realen Bedingungen durchgeführt wurden. Der Verbrauch war dann nach dem Kauf höher, als er in den Papieren ausgewiesen war. Diese Lücke galt es zu schließen. Das Messverfahren jetzt ist verschärft. Am Ende steht einfach eine realistischere Angabe des Verbrauchs und der Emissionen.

 

Seit wann prüft TÜV SÜD bereits nach diesem Standard?

Seit 1. September 2017 ist er verpflichtend. Wir prüfen allerdings schon seit Anfang 2016.

 

Wie hat sich dadurch der Workflow verändert?

Die Messkomponente RDE auf der Straße kam hinzu. Es werden nicht mehr nur mager ausgestattete Fahrzeuge berücksichtigt, sondern auch voll ausgestattete. Wir prüfen bei 14 Grad und 23 Grad. Der Zyklus also dauert länger, bis zu vier Wochen. Vorher war die Prüfung in zwei Wochen erledigt. 

Der NEFZ-Standard wird seit dem Dieselskandal besonders kritisiert. Behebt der

WLTP-Standard alle Kritikpunkte?  

Gegenüber dem alten Standard können wir mit WLTP deutlich erkennen, wenn etwas nicht stimmt. Beim Dieselskandal spielte ja die Abschaltautomatik eine große Rolle – die bei der Rollenprüfung optimal funktionierte. Künftig prüfen wir aber auch unter echten Bedingungen auf der Straße. Die Werte würden dabei im Vergleich zum Labor um ein Vielfaches ansteigen und eine Mauschelei auffliegen.

 

Warum ist diese Prüfung unter diesen Bedingungen realitätsnäher als jene im Labor?

Zwei Aspekte spielen dabei eine Rolle: Zum einen die Umweltbedingungen, denn wenn es draußen kalt oder feucht ist, dann ändert sich auch der Verbrauch. Zum anderen das Nutzerverhalten: Wenn jemand jeden Tag nur 500 Meter zum Bäcker und zurückfährt, dann hat er natürlich einen höheren Verbrauch pro hundert Kilometer, als jemand, der viel Langstrecke fährt.

 

Wie kann man solche Verhaltensmuster prüfen?

Indem wir es ganz genau wissen wollen und mehr prüfen, als das Gesetz vorschreibt. Drei Beispiele: Wir fahren unter anderem rückwärts, lenken mehr und wechseln öfter Geschwindigkeiten. Das sind freiwillige Test für jene Hersteller, die den Pflichttest bereits erfolgreich hinter sich gebracht haben und noch genauere Daten haben möchten.


Ab dem 1. September 2017 gilt für Typzulassungen der Verbrauchszyklus WLTP (World harmonized Light vehicles Test Procedure) verbindlich in der Europäischen Union. Er ersetzt den bisherigen Standard Neuer Europäischer Fahrzyklus (NEFZ). Auch weitere Länder wie Indien, Japan, Norwegen, Südkorea, Russland, Südafrika oder die Türkei werden den Standard nutzen. TÜV SÜD selbst führt an seinen Standorten in Heimsheim bei Stuttgart, Pfungstadt bei Darmstadt und Prag/Tschechien jährlich rund 10.000 Tests durch.