Kolumne

Monsieur Domjan, was denken Sie über...

Pioniergeist?

Der Ökoforscher Raphael Domjan über ein besonderes Projekt mit einem Solarflugzeug in der Stratosphäre. 

Illustration Joe Waldron

Der Klimawandel ist real – diese Erkenntnis hatte ich bereits im Jahr 2004. Damals reiste ich in den Süden Islands, wo ich elf Jahre zuvor viele beeindruckende Gletscher gesehen hatte. Was ich jetzt erblickte, schockierte mich: Wo zuvor noch riesige Eismassen lagerten, war jetzt ein See. 

Über den Klimawandel wird seither viel gesprochen aber immer noch zu wenig getan. Dabei können wir mit der Nutzung von erneuerbaren Energien die Erderwärmung verlangsamen und viel erreichen. Mit meinen Projekten will ich demonstrieren, wie groß das Potenzial der erneuerbaren Energien ist. Ich möchte Türen öffnen, die zuvor geschlossen waren. Bei meinen Abenteuerreisen geht es daher auch nicht darum, unbekannte Länder zu entdecken oder Rekorde zu brechen. Mein Ziel ist es, unsere Umwelt zu schützen und die biologische Vielfalt zu erhalten. 

Das waren auch meine Motive, als ich 2010 mit einer dreiköpfigen Crew zu einer mehrmonatigen Weltumrundung aufbrach. Das Besondere: Unser Katamaran wurde von vier Elektromotoren angetrieben, der notwendige Strom wurde ausschließlich in Solarmodulen an Bord produziert. Auf dem Pazifik, als wir gerade die Galapagos-Inseln passiert hatten, kam mir die nächste Idee. Ich war nachts allein an Deck und betrachtete die Milchstraße. Was wäre, fragte ich mich, wenn wir mit Hilfe von Solarenergie so weit in den Himmel aufsteigen könnten, dass wir den Planet in seiner ganzen Schönheit sehen könnten? So begann das Projekt SolarStratos. 2019 wollen wir erstmals mit einem bemannten Solarflugzeug in die Stratosphäre vorstoßen. Wie bei unserer Weltumrundung geht es auch hier darum, die Kenntnisse im Bereich nachhaltiger Technologien zu verbessern.

22 Quadratmeter Solarzellen sind auf einer Flügelspannweite von knapp 25 Metern verbaut. Diese Solarzellen speisen die Batterien, die die Propeller versorgen. Drei Stunden wird der Aufstieg dauern, 15 Minuten will ich in der Stratosphäre auf etwa 25 Kilometern Höhe verweilen. Dann beginnt der dreistündige Abstieg. Das Projekt ist nicht frei von Risiken: Ich werde so hoch steigen, dass ich nur mit einem Astronautenanzug überleben kann. Der erste Anzug übrigens, der solarbetrieben ist. Er wird gerade entwickelt – und muss einhundertprozentig funktionieren. 

Trotz der Gefahren: Es sind solche Pionierprojekte, die mein Leben bereichern. Ich habe auch schon neue Ideen. Welche genau ich als nächstes umsetze, entscheide ich vielleicht spontan, wenn ich bald aus 25 Kilometern Höhe auf die Erde schaue.


Foto: Privat

Raphaël Domjan, 46 Jahre, ist ein Schweizer Solarenergie-Pionier. 
Er ist Vorsitzender der Stiftung PlanetSolar, die sich für den Erhalt und Schutz der Erde einsetzt, und bezeichnet sich selbst als Öko-Forscher.