VISION

Big Data aus
dem Bauch

Eine Sensorpille samt eingebautem Tracking-Gerät soll Patienten an deren Medikamenteneinnahme erinnern – die Wirksamkeit und Fragen des Datenschutzes sind aber noch ungeklärt.

Foto: Otsuka America Pharmaceutical 

Michael Birnbaum kennt die Schwierigkeiten mit den Medikamenten. Dass die Einnahme wichtig sei, aber eben nicht selten von den Patienten vergessen werde. Vor allem bei solchen, die er behandelt: Menschen mit Schizophrenie oder bipolaren Störungen. Birnbaum, Direktor des Early Treatment Program für Psychosen am Lenox Hill Hospital in New York, aber hat Hoffnung für die Zukunft. Er sagt: „Die Einführung innovativer technologischer Werkzeuge ist allgegenwärtig und wird uns in der Medizin voranbringen.“ 

Während große Themen wie Smart Healthcare oder Telemedizin die Schlagzeilen bestimmen, sind es vor allem auch ultrakleine Nanosensoren, auf die die Mediziner setzen. Vor Kurzem hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) erstmals genau eine solche Pille zugelassen. Diese hat einen eingebetteten Sensor, der erfasst, ob und wann das Medikament eingenommen wird. Das vom japanischen Pharmazieunternehmen Otsuka Pharmaceutical hergestellte Medikationssystem soll Schizophrenie, Bipolar-I-Störung und Depression bei Erwachsenen behandeln. Die Pille ohne Sensortechnologie wurde 2002 erstmals zur Behandlung von Schizophrenie zugelassen. 

Einmal eingenommen, sendet der Pillensensor ein Signal an ein Pflaster, das auf der Haut des Patienten getragen wird. Der Sensor hat die „Größe eines Sandkorns und besteht aus Zutaten, die in Lebensmitteln enthalten sind“, heißt es vom Hersteller. Beim Kontakt mit Magenflüssigkeiten wird er aktiviert und kommuniziert mit dem Pflaster. Anschließend wird der Sensor verdaut und vom Körper ausgeschieden.

Währenddessen erkennt und speichert das smarte Pflaster das Datum und die Uhrzeit, zu denen die Tablette im Magen nachgewiesen wurde – und kommuniziert all dies an eine App auf einem kompatiblen mobilen Gerät. Vom Unternehmen als sicher gepriesene, webbasierte Plattformen geben dem Arzt, Pflegekräften sowie Familienmitgliedern Zugang zu den Daten. Experten allerdings sehen die Datensicherheit solcher Anwendungen, gerade bei kritischen Medizindaten, als noch nicht ausgereift an.

Ob die Sensorpille wirklich die regelmäßige Einnahme von Medikamenten verbessert, wird erst die Praxis zeigen. Ärzte wie Michael Birnbaum aus New York sind jedenfalls optimistisch: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis neue Technologien die verhaltensorientierte Gesundheitsversorgung revolutionieren werden.“