Einblick

Prüfer mit Weitblick 

sicher hoch hinaus – Nach diesem Motto prüft Markus Spies, 34, seit acht Jahren Seilbahnen auf der ganzen Welt. Ob Hong Kong, Dubai oder in den Alpen: eine gute Aussicht ist garantiert.

Foto Gareth Brown

In meinem Beruf bewege ich mich immer im Grenzbereich. Seilbahnen schweben Hunderte Meter über der Erde und deswegen darf ich mir Fehler oder Ungenauigkeit nicht erlauben. Trotz der großen Verantwortung genieße ich meinen Beruf in jeder Sekunde. Wo sonst wird man jeden Tag mit so atemberaubenden Ausblicken belohnt? Wo sonst bekommt man die Möglichkeit, quer über den Globus zu reisen? Wo sonst darf man alle möglichen Städte und Landschaften aus der Vogelperspektive beobachten?
Hier in Hongkong mache ich meistens zwei Mal im Jahr Halt und prüfe die Ngong-Ping-360-Grad-Seilbahn. Sie führt über knapp sechs Kilometer von der Lantau Insel zum Ngong Ping Plateau. Dabei überbrückt sie die Tung Chung Bucht und den riesigen Naturpark auf der Lantau Insel. Wenn man die 25-minütige Fahrt das erste Mal erlebt, kommt man aus dem Staunen kaum noch raus. Auf der einen Seite wachsen die Wolkenkratzer in den Himmel, auf der anderen gleiten die Flugzeuge Richtung Hongkongs Flughafen zu Boden. Und unter der Gondel glitzert das Meer. Dann macht die Seilbahn plötzlich einen Knick, man schwebt über grünen Dschungel hinweg und vor einem erhebt sich eine riesige Buddha-Statue. Das ist schon atemberaubend und auch der Grund, warum die Strecke bei Touristen so beliebt ist.

Wenn ich die Seilbahn inspiziere, blende ich die Schönheit der Strecke aus und konzentriere mich voll auf die Prüfung. Erst wälze ich unten im Büro Pläne und sehe mir die Ergebnisse von Technikuntersuchungen, Prozessabläufen und Qualitätschecks an. Später geht es ins Feld und ich schaue mir die Seilbahn vor Ort noch einmal genauer an. Die Seilbahn in Hongkong ist nicht nur besonders schön, sondern auch technisch an der Grenze des Machbaren. Durch die Nähe zum Meer fegen manchmal Taifune und Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern zwischen den Gondeln hindurch. Dazu kommen heftige Regenfälle. Trotz all dieser Witterungsbedingungen muss die Seilbahn aber pünktlich, reibungslos und vor allem sicher funktionieren. Die Sicherheit ist mein Job. Ich berate die MTR Verkehrsgesellschaft bei allen technischen Belangen, schlage Verbesserungen vor und prüfe, ob alle Bauteile am aktuellen Stand der Technik sind. Im Vergleich zum Bau der Seilbahn ist das allerdings eine überschaubare Aufgabe. Weil die Bahn durch ein Naturschutzgebiet verläuft, mussten viele Bauteile damals mit Maultieren hergeschafft werden. Ich finde, der Aufwand hat sich gelohnt.