Einblick

 The fast and reliable 

Das Verhältnis von Autotunern und TÜV SÜD könnte kompliziert sein. Doch TÜV SÜD-Prüfer Heinrich Manthey kennt die Szene genau. Auch bei den verrücktesten Projekten sorgt er als strenger, unabhängiger und verlässlicher Partner für Sicherheit.

Text Thomas Schmelzer  Fotos Alex Dietrich

Sascha Arnold, 38

„Als ich den Toyota GT 86 zum ersten Mal beim Händler gesehen habe, war ich sofort verliebt. In den letzten fünf Jahren habe ich den Wagen technisch weiter optimiert, denn das sportliche, zügige und direkte Fahren hat mich schon immer fasziniert. Im Motor sorgt jetzt ein Vortech-Kompressor für Extraschub. Dazu kommen ein Klappenauspuff, ein Gewindefahrwerk, eine Kennfeld-optimierung und weitere Anpassungen. Dadurch ist der Wagen ein echter Kurvenräuber geworden. Der Klappenauspuff ist im Straßenverkehr nicht lauter als normale Autos. Wenn ich die Klappe aber auf Tuningmessen öffne, röhrt das Teil schon gewaltig.“

 

Alina Ritsert, 23

„Ich bin mit fünf Jungs aus der Nachbarschaft aufgewachsen. Da ließ es sich kaum vermeiden, Interesse für Autos zu entwickeln. Schon als Kind musste ich jedenfalls mit Miniautos statt Puppen Vorlieb nehmen. Meinen Seat Leon habe ich seit zwei Jahren. Als Erstes habe ich ihm ein mattes Lila verpasst. Dann war das Fahrwerk dran. Vorne und hinten sorgen Gewindefahrwerke dafür, dass der Wagen schön tief liegt. Am Motor habe ich auch gefeilt: Statt 170 PS bringt er jetzt mehr Leistung auf die Straße. In der Tuningszene bin ich als Frau noch immer die Ausnahme. Aber wenn ich erzähle, dass ich alles an dem Wagen selbst gebaut habe, kommen die meisten Kerle aus dem Staunen gar nicht mehr raus.“

 

Daniel Wagner, 31

„Meinen BMW E28 habe ich vor etwa zehn Jahren als 21-jähriger Student in der Nähe von Wuppertal gekauft und die Entscheidung bis heute nicht bereut. Der Wagen hatte damals zwar schon mehr als 200.000 Kilometer auf der Uhr, war aber noch sehr gut in Schuss. Über die Jahre habe ich ihn dann hier und da noch ein wenig aufgepäppelt und vor allem viel an der Technik erneuert. Er liegt tiefer, ich habe andere Felgen aufgezogen und das komplette Fahrwerk überholt. Verkaufen würde ich den Wagen nie, obwohl ich schon viele Angebote bekam. Einmal hat mich sogar einer bei Rot an der Ampel -gefragt – aber Verkaufen kommt gar nicht infrage.“

 

Michael Modrzenski, 30

„Mit meiner Familie bin ich im Urlaub schon immer viel mit dem Auto unterwegs gewesen. Vor ein paar Jahren haben wir einen Ranger gekauft. Und dann fing es an: Dachzelt obendrauf, zweite Batterie rein, Offroadreifen aufgezogen, neue und robustere Felgen gekauft. Damit haben wir Bodenfreiheit gewonnen und kommen besser über Wurzeln und Steine. Demnächst steht die Höherlegung an, um noch weiter raus in die Natur zu können. Mein Traum ist, mit meiner Familie und dem Wagen durch Afrika von Nord nach Süd zu reisen. Ob die Umbauten gut aussehen oder nicht, ist mir nicht so wichtig. Hauptsache, alles funktioniert.“

  

Sven Chybiak, 34

“Gefühlt habe ich an meinem Opel Vectra schon jede Schraube und jedes Teil mehrmals in der Hand gehabt. Gekauft habe ich den Wagen als originales Serienauto, aber nach und nach hat mich dann der Ehrgeiz gepackt. Zuerst habe ich vorne Audi R8 Voll-LED-Scheinwerfer verbaut. Da war die Herausforderung, die Elektronik der Opel Leuchtweiteregulierung mit der Elektronik der R8-Scheinwerfer zu verschalten. Mit der Zeit kam zum Beispiel noch ein extra angefertigtes G.A.S. Luftfahrwerk dazu und ein Rücklicht, das per Luftzylinder ausfährt, seitlich wegdreht und so den Tankdeckel freilegt. Außerdem ist eine selbst designte und produzierte Verspoilerung sowie ein ausfahrbarer 26-Zoll-Bildschirm im Kofferraum verbaut. Bedanken muss ich mich vor allem bei meinem Vater, der mich immer mit Rat und Tat unterstützt hat.“

 


Sichere Nummer

Heinrich Manthey

Tiefergelegte Karosserien jagen TÜV SÜD-Prüfer Heinrich Manthey keinen Schrecken ein. Im Gegenteil: Schon als Schüler faszinierten ihn die Autos in der Werkstatt seines Opas. Nach dem Führerschein fing er selbst an, Autos zu tunen, und begann ein duales Studium bei TÜV SÜD. Seit 2016 arbeitet Heiner, wie er von allen genannt wird, als Sachverständiger. Als er das erste Mal auf einem Tunertreffen mit TÜV SÜD-Aufschrift auftauchte, schlug ihm große Skepsis entgegen. Heute ist seine Expertise in der Szene geschätzt und Tuner aus der ganzen Republik pilgern zu ihm.

 


Sascha Arnold

„Sascha hat seinen Toyota GT 86 in eine Rennmaschine verwandelt. Mit dem Wagen fährt er nicht nur im normalen Straßenverkehr, sondern auch auf Slalomrennen. Bei so viel zusätzlicher Kraft unter der Haube müssen natürlich einige Dinge beachtet werden: Zeigt der Tacho überhaupt so hohe Geschwindigkeiten an? Reichen die Bremsen aus? Macht die Karosserie das alles mit? Sascha hat sich bei seinen Umbauten aber immer strikt am passenden TÜV-Merkblatt orientiert. Er hat sogar neue Bremsen eingebaut, damit er seinen Wagen genauso schnell stoppen kann, wie er losschießt.“

Alina Ritsert

„Alina wollte ihren Wagen so tief wie möglich legen. Bei ihrem Seat Leon ist das aber gar nicht so einfach, weil das Fahrwerk generell ziemlich hoch konstruiert wurde. Wir haben also hin und her überlegt und so eine Lösung gefunden, die allen Vorschriften genügt. Beim Hersteller haben wir dann noch die Freigabe eingeholt, dass wir mit dem Fahrwerk überhaupt so weit runtergehen dürfen. Auf der Rückbank hat Alina einen Überrollbügel eingebaut. Den galt es so einzusetzen, dass die Airbags bei einem Unfall nichts wegdrücken und keine Quetschungen auslösen können. Die mattlila Lackierung spielt aus Sicherheitsperspektive keine große Rolle.“

Daniel Wagner

„Daniel ist ein klassischer Youngtimertuner. Er nimmt BMWs, die mindestens 20 Jahre alt sind, und möbelt die alten Kisten wieder auf. Bei seinem BMW E28 hat er zum Beispiel jede Menge am Fahrwerk verändert und den Wagen tiefergelegt. Für den Umbau musste Daniel schon vorab alle Daten über das Fahrwerk recherchieren und prüfen, ob die Änderungen für seinen E28 erlaubt sind. Außerdem musste das Kennzeichen beim Tieferlegen mindestens 20 Zentimeter über dem Boden bleiben. Das ist Vorschrift in Deutschland. Daniel arbeitet -superpenibel und sauber. Deswegen war die Abnahme seines Wagens butterweich.“

Michael Modrzenski

„Im Gegensatz zu den meisten Tunern will Michael mit seinem Wagen in die Höhe. Wichtige Punkte bei solchen Umbauten sind die Antriebswellen und Bremsleisten. Die müssen so lang sein, dass sie nicht abreißen, wenn das Auto mal gut Federn lässt. Bei Michaels -Pickup-Reisemobil mussten wir außerdem darauf achten, dass die Grenzwerte für die Räder eingehalten werden, weil das Lenkverhalten mit jedem Zentimeter nach oben schwammiger wird. Zuletzt durfte Michael die maximale Einstiegshöhe nicht reißen.“

Sven Chybiak

„Wenn man sein Auto so heftig umbaut wie Sven, kommt es auf ganz besonders auf millimetergenaues Arbeiten an. Da muss jedes Spaltmaß passen! Sven hat das vorbildlich gemacht. Von seiner Detailversessenheit können sich große Hersteller noch eine gute Scheibe abschneiden. Eine der größten Herausforderungen bei dem Wagen waren die Scheinwerfer vom Audi R8. Die mussten so angebracht werden, dass Scheinwerferreinigung und Höhenverstellung noch funktionieren. Ein riesiger Act, der sich vor allem Dank der guten Zusammenarbeit ausgezahlt hat.“