Wenn meine Eiskunstlaufpartnerin Annika und ich gemeinsam auf das Eis laufen, halten wir uns eng umfasst. Bevor wir in die Startposition gehen, klatschen wir uns mit den Händen ab. Das ist unser kleines Ritual und stärkt unsere Verbundenheit. Der Kontakt als Paar im Eiskunstlauf ist fast noch intensiver als in einer Liebesbeziehung. Allein schon, weil wir so viel Zeit miteinander verbringen. Aber auch, weil wir emotionale Höhen und Tiefen teilen. Wir trainieren zwar erst seit ein paar Monaten zusammen, aber dafür bis zu sechs Stunden täglich: auf dem Eis, bei der Gymnastik, der Athletik, beim Tanz und bei der Physiotherapie. Wir reisen miteinander zu Wettbewerben und Trainingscamps. Wir wählen für unsere Auftritte gemeinsam die Choreografie, die Musik und die Kostüme aus. Wir stimmen unsere sportlichen Bewegungsabläufe tagtäglich aufeinander ab, bis sie völlig harmonisch und synchron sind. Beim Paarlauf hebe ich Annika hoch. Sie lässt sich in meine Arme fallen. Ich fange sie auf und halte sie fest. Wir vertrauen einander bei gefährlichen Sprüngen quasi unser Leben an. Vertrauen ist die Basis für Erfolg. Es entsteht aber nicht von selbst, sondern wächst durch Erfahrungen, vor allem, wenn gelegentlich auch mal etwas schiefgeht. Als uns einmal im Training eine Hebeübung misslang, bekam ich einen Schlag ab und brach mir die Nase. Trotz des starken Schmerzes habe ich Annika sicher gehalten und zu Boden geführt. Das hat ihr gezeigt, dass sie auch in extremen Situationen auf mich zählen kann und ich nicht nur an mich selbst denke. Als Eiskunstlaufpaar sind wir für unsere Erfolge oder Misserfolge immer beide verantwortlich und müssen für Probleme gemeinsame Lösungen finden. Wir sitzen in einem Boot und können nicht ohne einander. Im Grunde haben wir als Paar im Eiskunstlauf bisher allerdings richtig negative Situationen erlebt. Trotzdem haben wir schon Phasen gemeistert, in denen wir Rücksicht nehmen und Empathie zeigen mussten. Dann hilft es, sich das gemeinsame Ziel vor Augen zu führen. So lassen sich auch Rückschläge besser verkraften. Dass Annika und ich als Partner so gut harmonieren, ist für mich ein echter Glücksfall. Vielleicht könnte man als Paar im Eiskunstlauf auch ohne diese starke zwischenmenschliche Verbundenheit erfolgreich sein – allein durch sportliches Können. Aber es hilft auf jeden Fall, dass wir uns sehr gut verstehen.