Täglich setze ich mich damit auseinander, wie wir in Zukunft leben, arbeiten und lernen wollen. Als Architekten prägen wir das Bild einer Stadt und den Lebensraum von Menschen entscheidend. Um alle Anforderungen an ein Gebäude in einem Konzept vereinbaren zu können, muss ich mich in verschiedene Positionen hineinversetzen. Ich überlege, was das Haus dem Einzelnen bieten muss. Welchen Mehrwert kann es für alle Bürger der Stadt haben? Was erhofft sich der Bauherr von dem Gebäude und welchen Beitrag leistet es für die jeweilige Stadt.

Bei der Gestaltung eines Gebäudes haben Proportionen entscheidenden Einfluss auf die Wirkung. Genauso wichtig sind die verwendeten Materialien. Sie können die Atmosphäre eines Raumes drastisch verändern. Um zu visualisieren, in welchem Kontext ein Gebäude entsteht, bauen wir physische Modelle. Sie helfen uns, das große Ganze zu überblicken. Mithilfe von 3D-Darstellungen können wir die Atmosphäre der Innenausstattung nachspüren. Wir benötigen ein Feingefühl für langfristige Zukunfts­trends. Wir müssen perspektivisch denken. Denn bis ein Entwurf zur gebauten Wirklichkeit wird, vergehen bis zu zehn Jahre.
Zur Zeit des Bauhauses waren Architekten davon überzeugt, Menschen mit Räumen direkt beeinflussen zu können. Heute ist der Ansatz umgekehrt. Wir gestalten Räume, die auf die Bedürfnisse der Öffentlichkeit abgestimmt sind. Viele Lebenskonzepte der Vergangenheit sind inzwischen überholt. Zum Beispiel passen die Bürostrukturen der 70er- und 80er-Jahre nicht mehr in die heutige Zeit. Die Art und Weise, wie wir jetzt und in Zukunft arbeiten wollen, hat sich grundlegend verändert. Büroflächen werden inzwischen häufig als Campus konzipiert. Flächen für Sondernutzungen wie ein Fitnessstudio, eine Kinderbetreuung und ein öffentliches Restaurant werden integriert. Es ist zeitgemäß, dass Arbeit und andere Lebensbereiche auch räumlich miteinander vereinbar sind.

Wie wir Projekte nachhaltig umsetzen können, hat sich ebenfalls zu einem zentralen Aspekt unserer Arbeit entwickelt. Außerdem wird das Verlangen nach einem dritten Ort neben den Räumen für Arbeit und Wohnen immer größer. Er soll ermöglichen, dass sich Menschen in der Öffentlichkeit aufhalten können, ohne etwas konsumieren zu müssen. Die Anforderungen an Architektur verändern sich stetig – und damit auch meine Aufgabenstellung. Das trägt dazu bei, dass ich meine Umgebung immer wieder neu entdecke.